Mythoreales


 

Ja, das ist es! Das Cape Canaverel ins Nirwana. Meine Recherchen und Reisen um die ganze Erde herum führten mich schließlich zu diesem Ort.

Diese Anlage hat 1362 die große Mandränke überstanden.

Zudem brachten meine mühevollen Ausgrabungsarbeiten im stinkenden Schlick Pergamentfragmente von Atlanten zutage.

Damit habe ich den Beweis erbracht, dass dieser Ort selbst vor dem Untergang von Atlantis ein ganz Besonderer war. Bekanntermaßen benötigten die Atlanter für ihre ausgedehnten Seefahrten unbedingt gutes Kartenmaterial. Sie vervielfältigten und erneuerten ihren offiziellen Atlas häufig.

Deshalb hoffte ich, Reste von ihnen zu finden. Man kann sich meine Freude vorstellen, als diese Vermutung bestätigt wurde.

Nun zu der Anlage selbst. Spüren sie ihre ungewöhnliche Aura?

Dann wird es sie nicht verwundern, dass nur eingeweihte Mitglieder des alteingesessenen Druidenordens der Pfahlsitzer auf diesem geheiligten Holz platz nehmen dürfen.

Aus diesem uralten Gesetz leitet sich auch das Wort Stammplatz ab.

Und ich kann jedem, der wider Erwarten zufällig dorthin irren sollte, nur raten sich unbedingt an die Anweisung auf dem Schild zu halten. Personen, die einen Suizid in Erwägung ziehen, möchte ich darauf hinweisen, dass es wesentlich angenehmere Todesarten gibt.

Ohnehin findet, wer nicht sucht am leichtesten.

Solch ein Pfundskerl oder Weib wird aufgrund eines Verblendungszaubers, der zu dem schmerzenden Kopf steigt, sowieso nichts anderes sehen als eine kleine, äußerst abgelegene Hafenanlage. Na klar, er wird sich auch nicht fragen, warum selbst in eisfreien Zeiten kein noch so kleines Schiff oder Boot hier Schutz sucht.

„Schutz suchen“, entschuldigen sie die Ironie.

Übrigens haben meine radioteleskomischen Versuche ergeben, das dieses Holz der Pfähle von dem Baum der Bäume, den ausgefallenen Ästen Yggdrasils, stammt. Versteinertes Eschenholz.

Jetzt sitzt keiner auf den Pfählen. Wer einmal aufgesessen ist, steigt nicht mehr herab.

Von wegen, heruntergefallen. Das Einzige, was während einer Sitzung fällt, ist innerhalb von ein paar Tagen ein heiliges Wort der inneren Machtbeherrschung.

Wenn man es als Außenstehender hier solange überleben würde und, falls man so schnell gucken könnte, würde man nur einen Lichtschweif unter den konkav gewölbten Gesäßmuskeln des Meisters sehen. Und dann … nichts mehr. Weil er nämlich weg ist.

Wohin? Nirwana, andere Dimension, nennen sie es, wie sie wollen.

Zurzeit sind alle Meister weg. Die Novizen sind noch nicht so weit. Machen mal so einige Übungen. Hier mal ein Wettbewerb, dort mal ein neuer Eintrag in dem irischen Druidenbuch der Rekorde. Das sind wichtige Übungen.

Die sind ja für den Arsch. Hört sich derb an. Ist aber so.

Hier sind die Beweisaufnahmen:

 

PS Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mich an nichts erinnern kann. Den Bericht habe ich anhand meiner Notizen verfasst. Die Fotos fand ich im Speicher meiner Kamera.  7.03.2010 Wanja Zerwel

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Mein erster Eintrag soll dem Allgemeinwohl dienen!

Deshalb für alle fleischverbissenen Grillenthusiasten:

Nichts anbrennen lassen! (Moritat)

Im Garten am Baum sitzen still die Meisen in ihrem Festnest.
Während ein Gewitter laut das Fest nässt.

Die Kohle unter dem Grillrost, mit dem Fleisch darauf, nicht einmal mehr schmaucht.
Indessen Herr Meier, vom Donner ungerührt, blitzgetroffen, ein letztes Mal, noch, raucht.

So lasset denn, bei Gewitter das Fleisch in der Küche, liebe Leute mit den Schürzen.
Um nicht, wie Herr Meier, gegrillt zu Boden zu stürzen.

Also ab und zu nach oben schauen, falls es schauert, damit nichts anbrennt!

Falls jemand meint, meine Verse seien zu grausig, möchte ich auf das denkwürdige Ereignis aufmerksam machen, welches einst das ferne Barbecuedos erschütterte. Dort nutzten die meisten Bewohner eines Hochhauses den günstigen Fall-Passatwind aus, denn es war schon vorgekommen, dass die oberen Teilnehmer einer Rauchvergiftung erlagen, um ihre Lieblingspassion, das Balkongrillen, auszusitzen.

Aus heiterem Himmel traf ein quer treibender Kugelblitz die balkongespickte Häuserfront.

Der schreckliche Verlust einiger der weltweit talentiertesten Grillrostbeleger, welche die zur Verfügung stehende Fläche bis auf das letzte Bit ausnutzen konnten, um eine schnellstmögliche Versorgung der geifernden Anwesenden zu ermöglichen, haftet sicher noch im kollektiven Gedächtnis. Von ihren sagenumwobenen selbst erfundenen Brandbeschleunigern will ich nicht weiter schwärmen.

Wir, hier in unserer freien Internetwelt, hätten ja gar nichts davon erfahren, wenn nicht die ultraorthodoxen Hobbyfunker, mit dem illegal organisierten Equipment, z.B. Metallmaste und Kupferdrähte, geheim manuell gepulste, ungepufferte, binäre Signale gemorst hätten.

Bei all dem Unglück errang wenigstens die ungenierte Nachrichtenübermittlung noch einen Sieg.

Man fragt sich ja bei der Geschichte auch, was eigentlich mit den Blitzableitern in solchen Ländern los ist.

Eine Mitfluggelegenheit von Klanxbüll nach Paris ist etwas für Menschen, die das Besondere zu schätzen wissen. Sozusagen nach dem bekannten Autobahnslogan: „Reisen statt rasen“. Wenn man sich darauf einlässt sollte man sämtliche Kleidung, die man mitzunehmen gedenkt, nicht in einen Koffer verstauen, sondern gleich anziehen. Es könnte kalt werden! Ein weiterer Nachteil ist die lange Reisezeit. Falls man gerne an der frischen Luft ist, bietet die extrem minimalistische Fliegerei unübertroffen viel Frischluft. Sie wird einem förmlich in die Atemwege gedrückt.

Ich nahm diese leichten Unannehmlichkeiten gerne in Kauf, freute ich mich doch auf eine Verabredung! Allerdings wurde ich von Pech verfolgt. Auf der Suche nach einer Packung Papiertaschentücher, mir lief dauernd die Nase, rutschte mir mein neues 12 seitiges Gedicht, ich hatte es eigens für eine Welturvorlesung in Paris vorbereitet, aus der Tasche und segelte den prosaischen irdischen Gefilden entgegen. Optimistisch stürzte ich mit meinem kalten Körper nicht hinterher, sondern bewahrte mir den kühlen Kopf. Schöpfte ich doch Trost aus der Hoffnung, um meiner selbst willen willkommen geheißen zu werden.

Jedoch wartete ich vergebens in Paris am angekündigten Treffpunkt in Marais. Direkt am Springbrunnen. Nach der notorischen Viertelstunde lief ich dann noch zehn mal um den Platz. Die sehnlichst Erwarteten wären mir sicherlich in meine, vom Fahrtwind entzündeten, Augen gesprungen. Ich selbst war kaum zu übersehen. Denn ich hatte immer noch meine vollständige Garderobe an und war deshalb doppelt so dick wie normalerweise.

 Danach mahm ich meine Rückfluggelegenheit war.

Insgesamt gesehen, so im Nachhinein, muss ich sagen: Hat doch Spass gemacht. Klanxbüll-Paris, Paris-Klanxbüll. Der Weg ist das Ziel.

Flug nach Paris, eine Mitfluggelegenheit_1_1_1

Es gibt Menschen, die denken ich hätte einen Schatten. Damit könnten sie recht haben.

Allerdings meinen sie, ich würde einer unwichtigen Angelegenheit zu viel Aufmerksamkeit widmen. Das ist jedoch eine grobe Unterschätzung der Silhouette, welche das Licht selbst, den Körpern abgewinnt. Das Fehlen dieser Schemen würde ein Indiz sein: für absolute Finsternis, der Nichtexistenz jeglicher materieller Körper oder aber, möglicherweise das schlimmste Szenario, einer Konstellation solcher Körper, in der sie sich niemals nahe genug, parallel zueinander im gleichen Winkel zu einer Lichtquelle, befinden. Was für eine erschreckende Einsamkeit!

Zudem könnten wir, ohne den vom Licht gezeichneten Konturen, nur flächig sehen. Alles hätte keine Tiefe für uns. Es gäbe noch mehr Oberflächlichkeiten als ohnehin schon.

Wer zeichnet, lernt sozusagen daneben zu schauen. Und sie, oder er, achtet auch auf das dunkel verlaufende Zwielicht, welches Erhebungen, oder am schönsten, erhabene Rundungen umgibt.

 

Viele Zeitgenossen empfinden es als sehr unangenehm, sich im Schatten eines Mitmenschen zu befinden, von seinem Windschatten abgesehen. Sie fühlen sich durch diesen Umstand kleiner als der Schattenwerfer. Obschon man diesem Minderwertigkeitsgefühl leicht Herr werden kann.

Es bedarf nur eines Schrittes, vor oder zurück. Ich weiß, nach vorne schaffen es einige nicht und zurück wollen sie auch nicht. Die Alternative wäre, den Verursacher der Düsternis einfach als Schattenspender ansehen.

 

Aber das ist nicht mein Problem.

Ich kann nicht aus meinem Schatten herauskommen. Weil ich nur noch ein Schatten meiner selbst bin. Oder wie mein eigener Schatten aussehe. Oder… Naja, jedenfalls manchmal.

Das ist ein wesentlich größeres Problem, als im Schatten eines anderen zu stehen.

 

Worin liegt die Lösung? Jaja, noch so eine Phrase. Über den eigenen Schatten zu springen. Das muss doch gar nicht sein. Mir reicht es schon, aus meinem Schatten herauszutreten. Vielleicht ganz gemächlich. So kann aus einem Schemen, salopp gesagt aus Schema F, Mensch W werden. Selbst wenn es wehtut.

 

Das ist jedoch nicht so einfach, wie es sich anhört. Es erfordert Disziplin. Diese neue, von mir erfundene, Disziplin nenne ich Shadowcatching. Englisch muss der Ausdruck schon sein, sonst kann man damit ja nicht landen. Hab ich mir auch schon patentieren lassen. Bevor Monzanto mir zuvorkommt. Wegen Vermessung des Schattens und so weiter. Nein, keine Angst! Ich will keine Gebühr erheben, wenn jemand mit seinem Schatten öffentlich rechtlich durch die Gegend läuft.

Ich doch nicht! Ich könnte zwar, mach ich aber nicht.

Nee, es geht mir einzig und allein darum, aus meinem Schatten herauszukommen. Ok, ein bisschen Ruhm. Oder hier in da mal Rum. Oder so was. Deshalb plane ich ein Event in der Hauptstadt. Alles unter Dach und Fach. Merkel, Steinmeier, Lafontaine, Özdemir alle kommen. Wollen ja alle was abhaben von der Bekleckerei. Außer den Liberalen, wegen Monzanto. Also das Event ist in SO 36, Kreuzberg, Chamissoplatz. Toller Symbolcharakter. Schlehmils Schemen kommt übrigens auch.

 

Also hier vorab eine Kurzeinführung zum üben. Man stellt sich auf ein Bein. Eine Digitalkamera je nachdem ob links oder rechtshändig in die passende Hand. Nun Koordination und Konzentration!

Eine Hand UND einen Fuß vorstrecken. Dann Fuß, Schatten und Hand auf EINEM Bild fotoratifizieren. Das ist der Clou. Nicht Schäuble, sondern man selbst hat seinen Schatten mit einem Schlag digitalisiert, mit der Kamera, und erfasst, mit der Hand. Fuß hat die Sache auch. Völlig Bombensicher und Wasserdicht. Kein anderer hat den eigenen Schatten vermessen. Die Daten gehören dir. Das Recht auf den Schatten auch. Der Schatten ist sicher. Das ist die Vorausetzung dafür, aus seinem Schatten herauszutreten. Keiner kann ihn wegnehmen.

Wenn dann einer sagt: „Du hast wohl einen Schatten“, kann man ganz legitim antworten:

„Jau“, ohne sich zu schämen. Von wegen: „Dann zeig mal deine Gene“. Das können die sich abschminken.

Zur Veranschaulichung ein Bild:

 shadowcatching