Lyrik


Schnepfenvogel

nicht müde werden

sondern dem Wunder

leise

wie einem Vogel

die Hand hinhalten

Hilde Domin

 

Auf dem Weg

durch den Dschungel der Gefühle

muss man wendig sein

                                                                                                                                                                        Durch Wesen

die von Licht leben und wachsen

behutsam laufen

                                                                                                                                                                        Die Machete

zerstückelte etwas in uns

ließen wir sie frei

 

 

Als Heim ich kam,

war ich nicht zuhause.

Der alte Griesgram im Spiegel

ist nicht ich.

Alzheimlich schwimme ich,

angel ein Stück

von dem Kind

mit den alten Augen.

Die Zeit fließt an mir vorbei.

Fremde suchen

als Archäologen

in verschütteter Stadt

Bruchstücke von mir.

Wenn sie sanft

mit würdevoller Geste

Erde wegstreichen,

finden sie auf Scherben

manchmal

ein Lächeln von mir.

Als wäre ich.

Ich!

Ihr verschollener

Mann, Vater, Opa oder gar alter Freund?

Der frühe herbstliche Septemberwind scheint den Sommer in Luft aufzulösen. Deshalb für mich eine schöne Erinnerung an ein Sommerfest:                                                                                                         

                                                                                                                                                                                        Die Schatten an der Wand

schnattern mit Gefühl

Körper im Gewühl

sind außer Rand und Band

                                                                                                                                                                                                    Wir tanzen ohne Gleis

schweben im Takt

bodenlos versackt

und Pi dreht sich im Kreis

Don Quichottes Albtraum

den Kopf vergraben im Federkissen

die Gedanken aufgeflogen

wirr im Albtraum hin und her gerissen

voller Grauen angezogen

doch bedroht von ehernen Scheusalen

drei Flügel teilen gar den Mond

Jungfrauen in wolkenfeuchten Qualen

sie schreien gänzlich ungewohnt

visionenverfolgt sieht er die Gefahr

bevor sie so groß ist wie ein Dom

nur er nimmt die böse Saat im Wind wahr

und steht immerdar unter Strom

PS Mögen wir Don Quichotte so gerne, weil wir uns selbst in unnötigen Kämpfen gegen harmlose Windmühlen wiederfinden? Oder ist er ein Trost in unseren alltäglichen Schattenkämpfen? 

Gaukler der Film- Musik und Sportindustrie sind die  angesagten Ritter und Helden. Ist Don Quichottes Irrtum auch unser Irrtum?

Leider träumte Don Quichotte nicht vom Plutonium, von dem einige Gramm, genau verteilt, ausreichen würden, die ganze Menscheit zu vergiften. Er wußte auch nichts davon, dass die Erde zu einem Versuchslabor der Gentechnik, mit ungewissen Ausgang, geworden ist. Er sah nicht in seinen dunklen Nächten die Klimakatastrophe, einer Flutwelle gleich, über die Erde rollen

 und so weiter?

menschen in der destille

 

 

feuerwasserflüsse

 

berlin ist eine destille

menschentrauben transpirieren

schweißbranntwein

kanalisiert in der Spree

selbst rosenblüten schwitzen

 

Streunende Schlafphasen

Bilder hinter Lidern

Funken im schwarzen Sand

verwehen in der Nachtuhr

 

wildernde Schlafhasen

bilden in den Liedern

trunken aus schwarzer Hand

Böen in der Nachtruh

 

 

rauf runter tür auf tür zu rauf ...

 

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