Oktober 2009


Freiheit 1

Frei und ungebunden

zerfließen sich ergießen

losgelöst von Allen

so kindlich unverbindlich

Aus sich herauskommen

fliegen und nur siegen

schillernde Illusion

ein heißer Flug im Luftzug

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Eine Mitfluggelegenheit von Klanxbüll nach Paris ist etwas für Menschen, die das Besondere zu schätzen wissen. Sozusagen nach dem bekannten Autobahnslogan: „Reisen statt rasen“. Wenn man sich darauf einlässt sollte man sämtliche Kleidung, die man mitzunehmen gedenkt, nicht in einen Koffer verstauen, sondern gleich anziehen. Es könnte kalt werden! Ein weiterer Nachteil ist die lange Reisezeit. Falls man gerne an der frischen Luft ist, bietet die extrem minimalistische Fliegerei unübertroffen viel Frischluft. Sie wird einem förmlich in die Atemwege gedrückt.

Ich nahm diese leichten Unannehmlichkeiten gerne in Kauf, freute ich mich doch auf eine Verabredung! Allerdings wurde ich von Pech verfolgt. Auf der Suche nach einer Packung Papiertaschentücher, mir lief dauernd die Nase, rutschte mir mein neues 12 seitiges Gedicht, ich hatte es eigens für eine Welturvorlesung in Paris vorbereitet, aus der Tasche und segelte den prosaischen irdischen Gefilden entgegen. Optimistisch stürzte ich mit meinem kalten Körper nicht hinterher, sondern bewahrte mir den kühlen Kopf. Schöpfte ich doch Trost aus der Hoffnung, um meiner selbst willen willkommen geheißen zu werden.

Jedoch wartete ich vergebens in Paris am angekündigten Treffpunkt in Marais. Direkt am Springbrunnen. Nach der notorischen Viertelstunde lief ich dann noch zehn mal um den Platz. Die sehnlichst Erwarteten wären mir sicherlich in meine, vom Fahrtwind entzündeten, Augen gesprungen. Ich selbst war kaum zu übersehen. Denn ich hatte immer noch meine vollständige Garderobe an und war deshalb doppelt so dick wie normalerweise.

 Danach mahm ich meine Rückfluggelegenheit war.

Insgesamt gesehen, so im Nachhinein, muss ich sagen: Hat doch Spass gemacht. Klanxbüll-Paris, Paris-Klanxbüll. Der Weg ist das Ziel.

Flug nach Paris, eine Mitfluggelegenheit_1_1_1

Der Natur sollte man mit einer gewissen Hochachtung begegnen. Besonders wenn sie ein Erbe der ganzen Welt ist.  Also zog ich mir am Sonntag, den 11.10.,  die Schuhe mitsamt den Socken aus, um den in Kultstatus erhobenen Boden zu betreten. Da ich wusste was mich erwartete, schreckte ich nicht vor dem glitschigen grauschwarzen Matsch zurück. Ich nahm es in Kauf die ersten 150 Meter knöcheltief einzusacken, denn danach würde ich festeren Boden unter den Füssen spüren. So war er auch, fest und feucht.

 

extra Schuhe ausgezogen

 

 

Selbst vor der Durchquerung eines Priels schreckte ich nicht zurück.

Ein Priel hat nichts mit Geschirr zu tun. Es handelt sich dabei um eine Wasserrinne im Wattenmeer, welche nicht trockenfällt. Es ist ein temporärer Fluss, der seine Strömungsrichtung mit der Ebbe und der Flut ändert. Dieser hier war sonnigen Gemütes und übte eine ansteckende Wirkung auf mich aus. Von der Temperatur meiner Füsse abgesehen.

 

Sonne im Priel

 

 

Meiner Unverfrorenheit hatte ich die Begegnung mit einem monumentalen Krebs zu verdanken.

 

monumentaler Krebs

 

Wie man sehen kann, hatte er schon einiges auf dem Buckel. Dieses besetzende Gesindel wird Seepocken genannt.Seepocken bevölkert

 

In Gedanken daran, wem die letzte Geste dieses alten Krebses wohl gegolten haben mag und Watt überhaupt ihr tieferer Sinn sein soll, erreichte ich so 1,5 km weiter wieder ein Stück Meer. Für die Schiffe eine Fahrrinne. Danach kommt, bei Ebbe, wieder trockengefallener Meeresboden oder Watt und dann, nach einer ganzen Weile, die Insel Pellworm.  Aber schwimmen mochte ich nicht mehr.

wässeriger MeeressaumDa oben Rechts sieht man übrigens noch eine Sandbank und dann kommt erst die Fahrrinne.

Auf dem Rückweg habe ich einige Muscheln und andere künstlerische Meereskompositionen fotografiert. Aber als Abschluß nur ein Foto von diesem faszinierenden Meeresspiegel, durch den der Mensch als Besucher eines anderen Lebensraumes ungestraft spazieren darf, wenn er früh genug zurück läuft.

ein blauer Traum zwischen ...