Mai 2009


 

 

Gegen stürmischen Südwestwind

durch eine starke Wand aus Luft

über schäumende Wellen

 

Mit dem Kopf durch die Wand

in der verheißungsvollen Gewissheit

später mit den Wolken zu fliegen

 

 

Sturmwellen

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Handschattengriff

 

 

Sommersehnsucht

 

 

Nach dem Schwimmen das Fahrrad anhalten,

zwischen Festland und Meer im Gras liegen.

Schau der reisenden Wolken Wandelgestalten,

und falls sie durch Lufthochdruck unpässlich, fliegen

 

Flugzeuge von West nach Ost, von Ost nach West,

ziehen dem Himmel einen gestreiften Schlafanzug an.

Unter dieser touristischen und nadelgestreiften Pest,

trällern davon unbekümmert Lerchen, dann und wann.

 

Wohin bringen mich, auf und unter, zwischen und darin,

meine Gedanken hin?

 

 

Kondensstreifen

Was bleibt nun noch?

Es ist ruhig geworden in dem Hof. Die Stimmen und Schritte der Kinder, Jugendlichen, Frauen und Männer sind verhallt. Alle Instrumente wurden wieder in den Autos verstaut. Abschiedsbekundungen sorgten für auf- und abwallendes Stimmengewirr. Autotüren knallten zu. Die wegfahrenden Wagen gaben den Blick, auf die mit grobem Kopfstein gepflasterte Fläche, wieder frei. Der Platz liegt im Schatten. Die hohen weißen Außenwände des alten Gebäudes halten die milde Abendsonne zurück und wirken, in diesem spärlichen Licht gesehen, grau.

Das Krächzen der Krähen ist noch zu hören. Mit großem Tamtam suchen sie ihre Schlafplätze in den hohen Bäumen auf. Und, nach einer Weile, das Geräusch seiner schlurfenden Schritte. Vorsichtig hinkt er über das unebene Pflaster zu dem, einzig noch verbliebenen, schwarzen Fahrzeug.

Der Mann in dem elegantem, beigefarbenem Leinenanzug öffnet die Autotür. Er lässt sie auf und setzt sich quer auf den Fahrersitz. Die Beine außerhalb des Autos, den Oberkörper vornüber gebeugt zündet er sich ein Zigarette an. Eine kleine Wolke aus graublauem Rauch umhüllt ihn, scheinbar aus dem Auto hervorquellend. Gleichzeitig mit diesem diffusen Nebel taucht klar die frische Erinnerung dieses Abends vor ihm auf.

Er sieht seine aufgeregten Schüler wieder vor sich in dem schönen großen Saal. Ihre verunsicherten Blicke. Und auch ihre ernste Konzentration auf das bevorstehende Konzert. Seine Band. In einer so kleinen Stadt ist sie ein großartiges Ereignis. Denn ihr Repertoire kann sich hören lassen. Anspruchsvoller Jazz, den zu spielen ihnen Spaß macht. Ohne seinen Kollegen wäre das Erreichte allerdings undenkbar gewesen. Er hatte ihn, so gut es ihm zeitlich möglich war, vertreten.

Bei zwei Stücken begleitete er sie selbst am Piano. Seine Hände gehorchten ihm.

Dann kam das Finale. Der Beifall. Die Blumen. Die Tränen. Der Abschied.

Nun ist es vorbei. Mit 49 Jahren ist alles aus. Eine Krankheit von der er nicht einmal wusste, dass sie existiert, wird ihn schleichend zerstören.

ALS – amyotrophische Lateralsklerose.

Alle sind nach Hause gefahren. Die Krähen haben sich davon gemacht. Der Rauch seiner Zigarrete steigt weiter auf. Er ist allein mit der Stille, mit seinen Gedanken.

Eine schwere Holztür des Schlosses öffnet sich. Sein Kollege kommt heraus, sieht ihn, stutzt und geht zu ihm hin. Sie reden über das Konzert.

„Komm lass uns noch etwas Trinken gehen! Danach kannst du immer noch nach Hause“, sagt sein Kollege zu ihm.

Er steigt aus dem Auto. Sie gehen nebeneinander durch das eiserne Tor.

Das schwarze Auto bleibt im Hof stehen.

Danach kann er immer noch nach Hause.

 

 

Einige Bilder vom Flensburger Museumshafen:

 

Passend zum 1. Mai möchte ich ein von mir gemaltes Bild zeigen:

 

 

der-tanzechter Ocker in Gummi Arabikum auf  Papier

 

 

 

Der Tanz des Lebens ist wie Musik:

 

Harmonien, welche durch Kontrapunkte intensiviert werden.

Disziplin, die in selbstvergessene Extase ihren Höhepunkt erreicht.

Binäre Rhythmen, aufgemischt durch Triolen.

Kraftvolle Anspannung, aufgelöst in durch die Luft schwebende Klänge.

Meistens im Takt, oft auch vertrackt.

Eben voller Gegensätze, wie der Himmel auf Erden.

Aber einfach da, man muss nur zuhören und auf Bewegungen achten.